Tor zum Wohnturm
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mittelalterlicher Wohnturm in Wandersleben

Wohnturm Gesamtanlage
Gesindehaus (Blick vom Kirchturm)

Beim geplanten Abriss eines baufälligen Fachwerkhauses im Jahre 1985 war es eine kleine Sensation einen uralten Turm, den mittelalterlichen Wohnturm aus der Zeit um 1250, zu entdecken. Und: Er war überraschend gut erhalten, schließlich hatte die Umbauung ihn über die Jahrhunderte vor schädigenden Umwelteinflüssen geschützt.
1986 wurde von einer Interessengemeinschaft damit begonnen diesen mit Unterstützung des Institutes für Denkmalpflege und staatlicher Stellen beim Abriss eines alten Bauerngehöftes freizulegen und in den jetzigen Zustand zu bringen.

Die Restaurierung des ehemaligen Mini-Adelssitzes begann noch im Jahr der Wiederentdeckung des Wohnturms. Eine Interessengemeinschaft „Mittelalterlicher Wohnturm” kümmerte sich seither um seinen Erhalt und die notwendigen Sicherungsmaßnahmen.
Der Geschichts- und Heimatverein Wandersleben übernahm 2006 die Verwaltung des Wohnturms und des umliegenden Areals.

Seitdem sind weitere Erhaltungsmaßnahmen im Wohnturmgelände ausgeführt worden.
Sichtbarster Erfolg ist die Wiedererichtung des ehemaligen Gesindehauses. Hier wird die Geschichte des Ortes mit Ausstellungsobjekten, Karten und Modellen dargestellt.
Der Geschichts- und Heimatverein Wandersleben hat es sich zum Ziel gesetzt, auf dem Wohnturmgelände ein Wanderziel für Fahrradtouristen zu schaffen.

Ursprünglich war der Turm Teil eines Herrenhofes, wahrscheinlich durch Otto von Witterde errichtet. Die von Witterdes dienten den Grafen von Gleichen als „Ministerialen”. Bereits im 11. Jahrhundert gab es „Ministeriale“. Sie erhielten Dienstlehen (die ursprünglich nicht vererbbar waren) und hatten vielfältige Verwaltungsaufgaben inne, waren aber auch im Kriegsdienst tätig. Später gingen viele „Ministeriale“ im niederen Adel auf. Das dürfte auch auf die Erbauer des Wanderslebener Wohnturmes zugetroffen haben.
Zu dem kleinen, nur 40 x 40 Meter großen Anwesen gehörten neben dem Turm auch Wirtschaftsgebäude, eine steinerne Umfassungsmauer und ein Wassergraben. Der zweigeschossige Wohnturm wurde im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts aus Bruchsteinen errichtet. Er besaß ein Walmdach, Rundbogeneingänge im Erd- und im Obergeschoss sowie ein Schlitzfenster auf der Südseite. Die Kellertonne mit darüber liegender Küche, der noch an der Ostseite erhaltene Aborterker sowie die frühgotischen Spitzbogenfenster an der Südfassade entstanden allerdings erst im 14. Jahrhundert. Als während des Sächsischen Bruderkriegs um 1450 die Burg Gleichen belagert wurde, blieb der Wanderslebener Wohnturm vom nahen Kampfgeschehen nicht verschont – ein Brand vernichtete die gesamte Innenausstattung. Dabei wurde auch ein grün glasierter Ofen zerstört, dessen Kacheln mit gotischen Fialen verziert waren.

Vermutlich um 1530 vergrößerte man dann die Küche und baute eine Einwölbung des Kellerhalses. Und um 1600 integrierte man dann aus praktischen Erwägungen den stabilen Wohnturm in den Neubau jenes Fachwerkhauses, das vor mehr als  20 Jahren abgerissen werden musste. 

Die Arbeiten am Wohnturmgelände und die Nutzung der Hofanlage bildeten in den zurückliegenden Jahren einen wesentlichen Schwerpunkt in der Vereinsarbeit des Geschichts- und Heimatvereins.

  • Das gesamte Areal des Wohnturmes wurde einer „Schönheitskur“ unterzogen.
  • Von 2008 bis 2010 erstand das Gebäude an der Straßenfront, wir nennen es Gesindehaus, schöner als nach seiner ersten Erbauung.
  • Es wird heute als museales Gebäude zur Ortsgeschichte und für Veranstaltungen des Heimatvereins genutzt.

Der Umfang und die Reihenfolge der Realisierung dieser Arbeiten erfolgte in Abhängigkeit der Gewährung von Fördermitteln, kommunalen Geldern und möglicher anteiliger Eigenfinanzierung.
Die Übergabe erfolgte am Tag des Denkmals am 12. September 2010. Im Wohnturm wird die Erbauung und Entwicklung seit der Entdeckung gezeigt und die Thematik: „Das Geschlecht der Grafen von Gleichen“ dargestellt.

Für die Öffentlichkeitsarbeit werden moderne Medien genutzt

Der Wohnturm ist auch ein Förderobjekt der Thüringer Tourismusgesellschaft. Als eines von fünf Thüringer Baudenkmälern an der Transromanica wurde der Mittelalterliche Wohnturm für eine neue Publikationsform ausgewählt.

Es wurden Audioguides für den Wohnturm produziert, die auch über die Internetseite des Heimatvereins aufgerufen werden können. Neben einer 30 minütigen Führung für Erwachsene gibt eine Führung für Kinder, in der ein Mäuschen durch das Wohnturmgelände führt.

Die Erstellung der Audiofiles wurde durch das Projekt CrossCulTour finanziert und ins Leben gerufen. CrossCulTour strebt die Bewahrung sowie die Inwertsetzung von Kulturstätten und -landschaften durch einen angemessenen Crossmarketing-Ansatz an. Basierend auf TRANSROMANICA, dem Netzwerk romanischer Routen in Europa, berücksichtigt CrossCulTour auch spätere Stilepochen, initiiert die Zusammenarbeit mit Marketingpartnern und fördert branchenübergreifende Kooperationen.
CrossCulTour wird im Rahmen des Central Europe-Programms umgesetzt und durch den EFRE (Europäischer Fond für regionale Entwicklung) kofinanziert. Das Projekt verbindet neun interdisziplinäre Partner aus Deutschland, Österreich, Slowenien sowie Italien und läuft von Dezember 2008 bis November 2011.

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