Wohnturm Nordseite 2006
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Der mittelalterliche Wohnturm in Wandersleben

Wohnturm Nordwestansicht
Wohnturm Südostseite (2018)

Der versteckte Turm

Wohnhaus vor dem Abriß

Beim geplanten Abriss eines baufälligen Fachwerkhauses im Jahre 1985 war es eine kleine Sensation einen uralten Turm, den mittelalterlichen Wohnturm, aus der Zeit um 1250, zu entdecken. Und: Er war überraschend gut erhalten, schließlich hatte die Umbauung ihn über die Jahrhunderte vor schädigenden Umwelteinflüssen geschützt.

Ursprünglich war der Turm, wie in seinem jetzigen Bestand Teil eines Anwesens, das im Verlaufe von Jahrhunderten durch bauliche Veränderungen zum Bestandteil eines großen Vierseithofes wurde.

1986 wurde von einer Interessengemeinschaft damit begonnen, diesen mit Unterstützung des Institutes für Denkmalpflege und staatlicher Stellen beim Abriss dieses alten Bauerngehöftes freizulegen und in den jetzigen Zustand zu bringen.

Die Restaurierung des ehemaligen Mini-Adelssitzes begann noch im Jahr der Wiederentdeckung des Wohnturms. Eine Interessengemeinschaft „Mittelalterlicher Wohnturm” kümmerte sich um seinen Erhalt und die notwendigen Sicherungsmaßnahmen.

Der Turm, als das Ursprungsgebäude wurde wahrscheinlich durch Otto von Witterde errichtet. Die von Witterdes dienten den Grafen von Gleichen als „Ministerialen”. Bereits im 11. Jahrhundert gab es „Ministeriale“. Sie erhielten Dienstlehen (die ursprünglich nicht vererbbar waren) und hatten vielfältige Verwaltungsaufgaben inne, waren aber auch im Kriegsdienst tätig. Später gingen viele „Ministeriale“ im niederen Adel auf. Das dürfte auch auf die Erbauer des Wanderslebener Wohnturmes zugetroffen haben.

Zu dem kleinen, nur 40 x 40 Meter großen Anwesen gehörten neben dem Turm auch Wirtschaftsgebäude, eine steinerne Umfassungsmauer und ein Wassergraben. Der zweigeschossige Wohnturm wurde im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts aus Bruchsteinen errichtet. Er besaß ein Walmdach, Rundbogeneingänge im Erd- und im Obergeschoss sowie ein Schlitzfenster auf der Nordseite. Die Kellertonne mit darüber liegender Küche, den noch an der Ostseite erhaltenen Wiederhergestellten) Aborterker sowie die frühgotischen Spitzbogenfenster, die an der Südfassade entstanden allerdings erst im 14. Jahrhundert. Als während des Sächsischen Bruderkriegs um 1450 die Burg Gleichen belagert wurde, blieb der Wanderslebener Wohnturm vom nahen Kampfgeschehen nicht verschont – ein Brand vernichtete die gesamte Innenausstattung. Dabei wurde auch ein grün glasierter Ofen zerstört, dessen Kacheln mit gotischen Fialen verziert waren.

Vermutlich um 1530 vergrößerte man dann die Küche und baute eine Einwölbung des Kellerhalses. Und um 1600 integrierte man dann aus praktischen Erwägungen den stabilen Wohnturm in den Neubau jenes Fachwerkhauses, das – wie eingangs beschrieben - vor mehr als 20 Jahren abgerissen werden musste.

Seit 2010 werden im Wohnturm in je einer Etage in einer Ausstellung die Erbauung und Entwicklung seit der Entdeckung des Turmes und die Thematik: „Das Geschlecht der Grafen von Gleichen“ dargestellt.